
Gemeinsame Medienmitteilung lawa/VLW
Der schwächelnde Euro trifft auch die Luzerner Forstwirtschaft. Um am Markt erfolgreich zu bleiben, erwarten die Vertreter der Holzbranche, dass ihnen die Waldeigentümer mit tieferen Holzpreisen entgegenkommen. Dies wurde an einem gemeinsamen Treffen von Vertretern der Holzindustrie, des Holzhandels und der Waldeigentümer bekannt, an dem auch Regierungsrat Robert Küng teilnahm. Organisiert wurde der Anlass gemeinsam von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa) sowie vom Verband Luzerner Waldeigentümer (VLW).
Das von lawa und VLW initiierte Treffen der diversen Akteure in der Wertschöpfungskette Holz fand bereits zu dritten Mal statt, diesmal in der Papierfabrik Perlen und kurz vor der beginnenden Holzschlagsaison. Moderiert wurde das Treffen durch den Präsidenten des VLW, René Bühler. Am Treffen zeigten sich die Vertreter der Holzindustrie und die Säger besorgt über den zu schwachen Euro. Der starke Franken benachteilige sie gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Um weiterhin am Markt erfolgreich zu sein, wird von der Waldeigentümerseite ein Entgegenkommen beim Holzpreis erwartet. Regierungsrat Robert Küng stellte in Aussicht, die vom Parlament beschlossene finanzielle Unterstützung von Seilkraneinsätzen ausserhalb des Schutzwaldes bereits auf die kommende Holzschlagsaison umzusetzen. Damit könnte ein Beitrag zur Vermeidung von Lieferengpässen geleistet werden.
Der Volkswirtschaftsdirektor begrüsste das Bemühen der Holz-Akteure, sich zweimal jährlich zusammenzufinden. So könnten gemeinsame Herausforderungen in der Branche frühzeitig diskutiert werden. Der Luzerner Wald, die Waldeigentümer, der Handel und die Holzverarbeitungsbranche spielten im Kanton Luzern volkswirtschaftlich eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die Vertreter von Kronospan, Schilliger Holz AG, Perlen Papier AG und der Säger waren sich für einmal einig. Der schwächelnde Euro trifft auch sie, teilweise sogar stark. Um längerfristig im Markt bleiben zu können, wäre ein Eurokurs im Bereich von 1.30 bis 1.40 Franken nötig. Um diese Situation zu überdauern, wurden diverse Massnahmen diskutiert. Unter anderem wurde der Wunsch geäussert, die LSVA zeitlich befristetes auszusetzen oder den Mehrwertsteuersatz vorübergehend drastisch zu senken. Zentral für die Holzverarbeiter wäre ferner der Zugang zu kostengünstiger Energie.
Besorgt zeigten sich die Akteure auch über die absehbare Reduktion des Holzpreises. Sie befürchten einen starken Rückgang der Holzschläge und damit eine Unterversorgung der Sägereien und Holzwerke mit einheimischem Holz. Der Verband Luzerner Waldeigentümer zeigte sich bereit, entsprechende Aufrufe bei den eigenen Mitgliedern zu machen und für die besondere, Euro-bedingte Situation Verständnis zu wecken. Er erwartet aber im Gegenzug, dass auch von Bauwirtschaft und Holzverarbeitung auf Schweizer Holz gesetzt wird. Damit könne ein Beitrag zur Klimapolitik und zur Stützung der Schweizer Waldwirtschaft geleistet werden. Eine Vorbildrolle müsse dabei auch die öffentliche Hand (Kanton und Gemeinden) bei Vergabungen übernehmen. Wichtig sei in der Langzeitperspektive, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zu schaffen. Die Waldbesitzer ihrerseits wären bei einem Überangebot auch froh, auf verlässliche Abnehmer zählen zu können.
Die Finanzierung von Seilkraneinsätzen auch ausserhalb des Schutzwaldes wurde letztes Jahr im Rahmen eines politischen Vorstosses gefordert. Das Parlament hat diese auf Empfehlung des Regierungsrates im Dezember gutgeheissen. Bereits auf die anstehende Holzschlagsaison wird es möglich sein, entsprechende Projekte zu subventionieren. Diese Massnahme wird von sämtlichen Akteuren der Holzkette begrüsst. Mögliche Projekte können ab dem 1. Oktober 2011 bei der Abteilung Wald der Dienststelle lawa eingereicht werden. Antragsformulare sowie weitere Grundlagen sind ab diesem Zeitpunkt abrufbar unter www.lawa.ch. Ebenfalls erfolgt die Instruktion der Förster rechtzeitig auf Ende September.
Regierungsrat Robert Küng zeigte Verständnis für die durch den starken Franken verursachten Probleme der Akteure. Er relativierte den Einfluss eines einzelnen Kantons auf Bundesmassnahmen wie die LSVA, die Mehrwertsteuert oder Massnahmen zur Abschwächung des Frankens. Bei den kantonalen Massnahmen könne mit der Umsetzung der Förderung der Seilkran-Einsätze ein Beitrag geleistet werden, um die Versorgungssicherheit bei den Luzerner Holzsägewerken und der hiesigen Holzindustrie mit einheimischem Holz zu verbessern. Er warnte gleichzeitig aber davor, allzu viele Hoffnungen in die Möglichkeiten des Staates zur Verbesserung der Situation zu stecken. Vielmehr rief der die Branche selbst auf, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegenseitig zu stärken. Das Akteurtreffen Holz lobte er als eine vorbildliche Massnahme zur gegenseitigen Verständigung und damit als einen ersten wichtigen Schritt, der Wertschöpfungskette Holz im Kanton Luzern zu mehr Beachtung zu verhelfen. Schliesslich adressierte Küng an die Adresse die Waldeigentümer den Wunsch, trotz eines reduzierten Holzpreises im Sinne einer verlässlichen Partnerschaft die hiesigen Werke mit genügend Rohstoff Holz zu versorgen.
- Thomas Abt, Leiter Abteilung Wald, Dienststelle Landwirtschaft und Wald, 079 750 93 10, thomas.abt@lu.ch
- René Bühler, Präsident Verband Luzerner Waldeigentümer, 079 255 17 67
- Werner Hüsler, Geschäftsführer Verband Luzerner Waldeigentümer, 041 925 80 44

