
Sempach/Sursee, 5. Dezember 2005
Medienmitteilung der Korporation Sempach und der Dienststelle Landwirtschaft und Wald
Die Korporation Sempach schützt langfristig den Lebensraum der sagenumwobenen und sehr seltenen Calla Palustris (Sumpf-Drachenwurz). Das Waldreservat im Chüsenrainwald wird für 50 Jahre ausgeschieden und umfasst eine Zone ohne forstliche Nutzung und einen Bereich mit zielgerichteten Eingriffen für die lichtbedürftige „Calla“. Die Korporation Sempach beweist ihre nachhaltige Waldnutzung nach wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekten. Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald sowie der Bund entschädigen die Ausscheidung des Waldreservats.
Bund und Kantone wollen 10% der Waldfläche als Waldreservate ausscheiden. Im Kanton Luzern befindet sich die Umsetzung in der Startphase. Angestrebt wird eine Fläche von 4'000 Hektaren Wald. Bisher sind über 300 Hektaren Waldreservate vertraglich vereinbart worden. Die forstliche Nutzung bleibt vollständig aus. Der Wald kann seiner natürlichen Entwicklung folgen. An einzelnen Objekten sind gezielte Eingriffe vorgesehen, um besondere Naturwerte wie Lebensräume von seltenen Tier- und Pflanzenarten zu sichern. Waldreservate dienen auch als natürliche Vernetzungselemente in einer stark vom Menschen geprägten Kulturlandschaft.
Calla als Herz des Chüsenrainwaldes
Die sehr seltene und in Zusammenhang mit der Schlacht von Sempach sagenumwobene Sumpf-Drachenwurz (Calla palustris) hat ihren einzigen natürlichen Standort in der Schweiz im Chüsenrainwald der Korporation Sempach. Die attraktive Pflanze, die zu den Aronstabgewächsen gehört, blieb in Entwässerungsgräben des sogenannten „Turbenmoos“ erhalten. Sie ist lichtbedürftig und braucht sumpfige, nährstoffarme Böden. Seit 1995 wird das Kerngebiet aufgewertet. Der Wasserspiegel wurde erhöht. Davon profitierte nicht nur die Calla, sondern auch die seltene Waldgesellschaften „Schwarzerlenbruch“ und „Föhren-Birken-Bruch“. Im Weiteren sind die nicht standortgerechten Baumarten wie Fichten, Stroben und Roteichen in mehreren Etappen entfernt worden. Die Holzerei auf dem bis 2,4 Meter mächtigen Torfkörper wurde sehr schonend durchgeführt. Inzwischen wachsen wieder Birken, Erlen, Föhren, Eschen, Faulbaum, Vogelbeere und Eichen.
Naturwerte für kommende Generation sichern
Das kleine Naturparadies im Chüsenrainwald wird von der Bevölkerung in der Region sehr geschätzt. Auch die Verantwortlichen der Korporation Sempach zeigten ein grosses Interesse für ihre Rarität. Mit der Ausscheidung des über 12 Hektaren grossen Waldreservates sichern sie die bedeutenden Naturwerte auch für die kommende Generation. In den nächsten 50 Jahren finden keine forstlichen Eingriffe mehr statt. Nur im Zentrum des Waldreservats werden zu Gunsten der Calla und anderen seltenen Pflanzenarten wie Moorbirken einzelne Massnahmen erforderlich sein. Ansonsten würde das sich wieder schliessende Kronendach die Artenvielfalt verringern.
Altholzgruppe ergänzt Waldreservat
In der Nähe des Waldreservates legt die Korporation Sempach zusätzlich eine Altholzgruppe fest. Auf einer Fläche von knapp zwei Hektaren stehen mächtige Tannen, Fichten, Eschen, Buchen und Eichen. Sie trotzten dem Hagelsturm 1954, dem Orkan Lothar 1999 sowie der Hitze im Sommer 2003. Die ehrwürdigen Relikte sollen in den nächsten 50 Jahren nicht angetastet werden. Als Altholzgruppe bilden sie einen weiteren ökologischen Trittstein im
Chüsenrainwald.
Mit diesen Schutzmassnahmen beweist die Korporation Sempach vorbildlich eine nachhaltige Waldnutzung, die wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte einbezieht. Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald sowie der Bund entschädigen die Korporation Sempach für die notwendigen Einschränkungen der Eigentums- und Nutzungsrechte in den nächsten 50 Jahren. Zusätzlich werden sie die erforderlichen Aufwertungsmassnahmen finanzieren, deren Kosten nicht gedeckt werden können.
Für weitere Auskünfte:
Korporation Sempach: Josef Rüttimann, Forstverwalter, 041 460 11 20, Valentin Stäheli, Betriebsleiter, 079 435 30 46
Dienststelle Landwirtschaft und Wald: Ueli Frey, Leiter Fachbereich, 041 925 10 75, Bruno Röösli, Kreisförster, 041 925 10 91

